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Pilgerweg
 

Ein altes Pilgerlied aus dem Mittelalter

(das neulich jemand in unser Gästebuch schrieb):



"Bei St. Jakob vergibt man Pein und Schuld,


der Herrgott sei uns allen hold,


in seinem hohen Throne.


Wer St. Jakob dienen tut


der Herrgott soll's ihm lohnen.“

 

 

Die Via Regia

Diese Straße kam aus dem fernen Osten. Sie ist ein uralter Völkerwanderweg und wurde auch „Hohe Straße“, „Königsstraße“ oder „Heerweg“ genannt. In frühester Zeit war sie die einzige Ost – West -Verbindung. Von Warschau kommend führte sie über Breslau, Görlitz, Bautzen, Leipzig, Merseburg (bzw. später Lützen) östlich an Naumburg vorüber, Erfurt, Gotha, Eisenach, Fulda, Frankfurt am Main bis in die Rheingegenden und weiter bis Santiago de Compostela. Die Ost-West-Richtung ist immer geblieben, aber ihr Verlauf und Name hat sich im Laufe der Jahrhunderte oft geändert. 768 ist sie schon erwähnt.

In unserer Heimat kam die via regia in der Nähe von Großjena-Nißmitz über die Unstrut bei Großwilsdorf die Frankenhohle hinauf. Östlich der Saale auf dem Berg stand eine Fliehburg, die Hune- oder Hüneburg, zum Schutz. Dort auf der Höhe führte sie an Fränkenau vorbei immer auf der Höhe entlang. Die Siedlungen wurden damals nicht berührt. In ihrer Nähe finden sich zahlreiche Steinkistengräber; in der Lißdorfer Flur wurde am 11.09.1909 ein solches im Wald von Oskar Bornschein gefunden. Darin lagen die Reste von 6 Bestatteten. Der Grenzweg zwischen der Gößnitzer und der Lißdorfer Flur wird der „alte Heerweg“ genannt. Dort oben war auch die Siedlung Roda. Im Jahr 1315 wird dort ein Kunz von Rode erwähnt, woraus sich schließen läßt, dass dort ein Rittersitz war. Ein Mangold von Roda verkaufte das Gut an Kloster Pforta. 1356 erwarb Pforte drei Höfe „zu dem Rode“. Auch erinnerte die Königsbuche im Forst daran, dass Könige auf dieser Höhe entlang zogen und wahrscheinlich das „Eiserne Tor“ nach Burgholzhausen hinunter.

Erst nach dem Bau der Eckartsburg und der Entstehung von Eckartsberga wurde es zur Pflicht, dass die via regia die Kahre hinunter führte nach Eckartsberga hinein. Am Fuße der Eckartsburg in der Nähe des Untergutes, wo heute die Häuser Hauptstr. 60-62 sind, stand die Marienkapelle mit einer Pilgerherberge. 1291 wird zum ersten Mal erwähnt, dass Eckartsberga Geleitsgeld von allen Durchreisenden zu nehmen begann.

Je mehr nun der Verkehr wuchs, profitierte auch Lißdorf davon. Die via regia führte seit dieser Zeit hinter den Dörfern Fränkenau , Punschrau, Spielberg, Zäckwar  und Benndorf  entlang. Von Eckartsberga aus verließ sie hinter Seena in Richtung Thüsdorf/Rudersdorf unseren Pfarrbereich.

Erst in der Zeit zwischen 1368 und 1404 wurde die „Königsstraße“ von Hassenhausen über Kösen und Naumburg nach Leipzig geführt. Es war in Kösen eine steinerne Brücke über die Saale gebaut worden und die Mönche von Pforta hatten mit ihren in Fron Stehenden die Gebiete in der Nähe der Saale trockengelegt. Im 16. Jahrhundert wurde die Strecke der Königsstraße festgelegt.

1593 kamen durch Eckartsberga 12.919 Pferde, 1594 sogar 13.360 Pferde. Um die Geleitsabgabe in Eckartsberga zu umgehen, fuhren die Fuhrleute im 17./18. Jahrhundert, von Rudersdorf, Thüsdorf und Seena kommend, in Richtung Auerstedt und Rehehausen, um bei Hassenhausen wieder auf die via regia zu kommen. Den Fuhrleuten war vorgeschrieben, welche Straße zu benutzen war. Wurde jemand auf Schleichwegen ertappt, so war die Hälfte der Ware beschlagnahmt. Jeder konnte den Wagen anhalten. 1836 wurde die Heerstraße Erfurt - Weimar bis Leipzig gebaut.

Die Bedeutung der via regia wußte schon Karl der Große zu schätzen. Die Kaiser benutzten sie, um in die Kaiserpfalz Memleben zu kommen. Ein Abzweig führte z.B. von Perlstedt über Lossa nach Memleben. Auch Erfurt war ein wichtiger Knotenpunkt. In der Schlacht von Roßbach bei Merseburg zogen die Franzosen und Preußen auf der via regia entlang und so durch unsere Heimat, wie es die Pfarrbücher in Spielberg, Lißdorf und Braunsroda erwähnen. Gustav Adolf, der Schwedenkönig, machte in Eckartsberga Rast und zog auf ihr weiter. Auch Napoleon kannte und benutzte die via regia.

Aus den Unterlagen vom Kreis- und Stadtarchiv zusammengetragen von Rolf Röder, Lißdorf.

 

Die Entstehung der Pilgerfahrt auf der via regia

Im 8. Jhr. kann man das gesamte Abendland noch nicht als einheitlich christianisiert bezeichnen. Die Mythenkraft der Vergangenheit bewahrte sich im Volk, welches sich nach  Wundern sehnte, um die harte Wirklichkeit zu bestehen. Der Kult um Apostel und Heilige wurde aber auch aus dem Grund willig aufgenommen, weil er sich als Möglichkeit anbot, mit dem als unnahbar empfundenen Gott in Kontakt zu treten. Einem König nahte sich zu dieser Zeit niemand ohne eine Mittelsperson. Die königliche Macht und Größe Gottes war für die Menschen jener Zeit eine lebenswichtige Notwendigkeit. Denn nicht nur der Wegfall bisheriger Gefüge, sondern auch die Bedrohung durch Fremdvölker brachten ein starkes Bedürfnis nach Halt und Orientierung mit sich.

So kann man es an der Geschichte Spaniens deutlich ablesen: Das Land war von Hunger und Pest so geschwächt, dass 711 n. Chr. maurische Armeen eindringen und es innerhalb weniger Jahre erobern konnten. Nur Asturien, im Norden Spaniens, blieb unbesetzt und wurde damit zum geistigen Zentrum des noch christlichen Spanien. Von dort aus sollte das Christentum gestärkt werden, wozu sich in genialer Weise der einzige Apostel eignete, der die iberische Halbinsel betreten haben soll: Jakobus der Ältere.

König Alfons II. beteiligte sich in Folge aktiv an der Organisation des Jakobuskultes. Er gründete die Jakobuskirche, gewährte ihr drei Meilen im Umkreis als „Heiligen Bezirk“ und bekundete damit die offizielle Anerkennung des Apostels als Schutzherren über Monarchie und Königreich. Diese verehrung zog Menschen aus allen Teilen des Abendlandes nach Santiago de Compostela und ließ es damit, neben Rom und Jerusalem, zur bedeutendsten Pilgerstätte des Mittelalters werden.  Die via regia führte durch ganz Europa zu dieser Pilgerstätte.

 

 

Der Ökumenische Pilgerweg

Durch Görlitz und von dort aus durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führt die historische Via Regia. Auf ihr sind nicht nur Waidhändler gezogen, nicht nur Napoleon ist mit seinem Heer darüber geritten ... zu jeder Zeit sind auf ihr auch Pilger gegangen.

Die alte Tradition des Pilgerns soll heute wieder erlebbar werden, indem ein christlicher Fernwanderweg von Görlitz nach Vacha (an der hessischen Grenze) ausgeschildert wird. Der Verlauf des Weges orientiert sich zum Teil an der authentischen Via Regia, welche jedoch oft zur Verkehrsstraße ausgebaut worden ist. An diesen Stellen wird auf den historischen Befund lediglich hingewiesen, jedoch eine Variante genutzt, die landschaftlich schöner ist und den Erholungswert steigert (z.B. Königshainer Berge statt B6). Auch richtet sich der Weg auf manche Orte aus, die für den Pilger Besinnung und Gedankenanstoß bieten, wie z.B. das Kloster Marienstern. Der Weg weist letztlich auf das mittelalterliche Pilgerziel Santiago de Compostela, welches man in drei bis fünf Monaten zu Fuß erreichen kann. Aus diesem Grund wird er mit der Muschel markiert, die alle Jakobswege in Europa kennzeichnet. Allerdings muss nicht zwingend nach Santiago, wer dem tiefen Gehalt eines solchen Weges auf die Spur kommen will.

Das Wandern über mehrere Tage und Wochen macht grundsätzliche Erfahrungen des Lebens spielerisch nachvollziehbar, sei es der Aufbruch, das Fremd sein und Heimat finden, das Abschied nehmen und Ankommen. Dieser „Spielraum“ soll durch den Ökumenischen Pilgerweg geschaffen werden.

Das Besondere daran sind vor allem Herbergen, in denen Pilger kostengünstig unterkommen können. Dafür haben sich Kirchgemeinden, Klöster und Privatpersonen bereit erklärt, wodurch sich lebendige Begegnungen zwischen Pilger und Weggemeinde ereignen können.

In unserer Gegend führt der Weg von Naumburg (bzw. Freyburg/Großwilsdorf)  her in Richtung Punschrau, von wo aus er durch unseren Pfarrbereich führt und Spielberg, Zäckwar, Benndorf, Lißdorf, Eckartsberga und Seena berührt, um von dort aus in Richtung Rudersdorf und Erfurt weiterzugehen.

Auch in Eckartsberga gibt es in der Pfarre eine Übernachtungsmöglichkeit für Pilger. Auch in Lißdorf finden Pilger immer freundliche Unterstützung durch Rolf Röder und Familie. Inzwischen kennen alle Anwohner des Weges die Leute mit den großen Rucksäcken und helfen gerne weiter.

 

 

Ökumenischer Pilgerweg – Fünf Jahre

Am 5. Juli 2008 wurde der Eröffnung dieses Pilgerweges gedacht. Mit Himmelslichtern, die um 22.00 Uhr angezündet wurden, durch einen Ballon von der warmen Luft des Lichtes getragen, sollten sie schwebend den Verlauf des Weges zeigen. In jedem Ort, der an der „Via Regia“ liegt, hatten sich Leute eingefunden, um dabei zu sein. In Lißdorf hatte ich Bange vor einem Brand im großen, nahe liegenden Getreidefeld. Das „Himmelslicht“ war an einer Schnur befestigt. Von Benndorf aus haben wir es sehr gut gesehen. In einigen Gemeinden wurden dazu Lieder gesungen und in Worten des Pilgerns gedacht.

Der ökumenische Pilgerweg führt entlang dem Verlauf der „Via Regia“, genannt auch Königstraße, Heerweg oder alter Heerweg. An einigen Stellen ist sie umgepflügt und wird als Acker genutzt. So z. B. ging sie einst von Punschrau geradeaus auf die Benndorfer Kirche zu. Die Masten der elektrischen Leitung zeigen uns von der Hohndorfer Straße aus Richtung Westen, wie der Verlauf des Weges war. Ebenso zwischen Seena und Thüsdorf zeigt uns auch nur noch die elektrische Leitung den Weg an. Es werden sich sicher ältere Leute an die Bezeichnung „Alter Heerweg“ erinnern. Der Verlauf dieser Ost-West-Verbindung führte zur Zeit Karls des Großen, Ottos des I. usw. nur auf den Höhen entlang, so auf der heutigen Flurgrenze zwischen Gößnitz und Lißdorf durch die jetzige Kirschplantage usw. Das „Eiserne Tor“ bei Marienthal kamen die Heerscharen damals entlang, ebenso Pilger und Handelsleute.

In den nun vergangenen fünf Jahren der Wiederbelebung dieses Pilgerweges sind Menschen aus Italien, der Schweiz, Holland und anderen Ländern durch unsere schöne Heimat gezogen. Sie sind vom Naumburger Dom und Pforta begeistert. Sie wundern sich, dass jedes kleine Dorf, durch das sie gehen, eine eigene Kirche hat und bedauern, dass die verschlossen sind. Um Land und Leute kennen zu lernen, wird dieser Weg auch gegangen, oder von Abenteuerlust getrieben, die Freunde groß über die gelaufenen Kilometer, 35 km am Tag und mehr. Wer nur Wert darauf legt, viele Kilometer am Tag zu schaffen, wird vom Weg und seinen Besonderheiten nicht viel mitnehmen und in Erinnerung behalten. Er geht sicher nur, um sich selbst zu beweisen, wie er ist, um vor Anderen zu glänzen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was für ihn dieser Weg bedeutet. Einst sagte Konfuzius: „ Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“

Der 19. Juli 2005 war ein besonderer Höhepunkt für uns in der neuen Geschichte des Pilgerweges. An diesem Tag wurde das Kreuz zum Katholischen Kirchentag in Köln hier auf dem Weg entlang getragen. In unserem kleinen Ort machte es eine kurze Rast. Solange wie das Kreuz hier verweilte, erklangen die Glocken vom Kirchturm. Begleitet wurde das Kreuz von Jugendlichen aus Italien, Kanada und aus den alten Bundesländern. Das italienische Fernsehen hatte ein Kamerateam dabei. Am Abend dieses Tages war ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Eckartsberga, am anderen Morgen in der katholischen Kirche eine Andacht. Übernachtet wurde im Pfarrhaus.

Auf Wunsche der Pilger öffneten wir unsere Kirche, ließen die Glocken erklingen. Ehrfurchtsvoll betraten einige Pilger das Gotteshaus, falteten stumm die Hände zum Gebet, teils mit feuchten Augen, dankbar, hier verweilen zu können. Andere stimmten spontan einen Gospelgesang an und es wurden herrliche Choräle gesungen, Gespräche geführt, Gedanken und Erlebnisse ausgetauscht. Es ist schon eine große Freude zu wissen, dass sich immer mehr Familien in allen Orten bereit erklären, den auf dem Weg Gehenden eine Tasse Kaffee zu reichen, eine Erfrischung anzubieten, sich Zeit zu nehmen für eine kleine Plauderei. Darüber freuen sich die Vorüberwandernden. Auch loben sie den Wegweiser, den junge Leute in ihrem Garten aufstellten, mit Willkommensgruß und Hinweisschildern.

So soll es sein, dem Pilger dürfte keine Tür und kein Herz verschlossen bleiben. Das Recht zu pilgern steht jedem zu, ob er an Gott glaubt oder nicht, auch ganz gleich welcher Glaubensrichtung er angehört. „Wer ein Warum hat, dem ist kein Weg zu schwer.“ sagte Friedrich Nietzsche.

Die Pilgerwege ziehen sich wie ein Spinnennetz über viele Länder. Jeder hat sein Ziel. In Erfurt, dem „Rom des Nordens“, treffen sich allein zehn Pilgerwege. Einer führt nach Santiago de Compostela. Jeder einzelne Weg soll uns an eines der zehn Gebote erinnern. Zum ersten Gebot beginnt der Weg im Kloster Helfta über Eisleben usw. nach Erfurt. Die Wege berühren wertvolle Kirchen und Klöster. An die heilige Elisabeth erinnert der Weg von Eisenach bis Marburg. In Sachsen-Anhalt gibt es den Lutherweg mit den wichtigsten Stätten, wo Luther lebte und wirkte, Eisleben und Wittenberg. Auch im Norden von Sachsen-Anhalt gibt es einen Jakobsweg. Die Jakobswege sind mit der Jakobsmuschel gekennzeichnet, der Weg in unserer Heimat zeigt die Jakobsmuschel in gelb auf zwei gekreuzten Stäben, beides auf blauem Grund.

Die wohl längsten Pilgerwege beginnen in Petersburg in Russland und in der Hauptstadt der Ukaine in Kiew, mit dem Ziel Santiago de Compostela. „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“ stellte schon Katharina von Siena fest. Es gilt dieser Spruch nicht nur für das Pilgern, sondern auch für die Aufgaben, die das Leben jedem Einzelnen stellt.

Ein Pilger aus Franken, der auch bei uns zu Gast war, begann seinen Pilgerweg in Breslau im März und war am 14.12. des gleichen Jahres am Ziel in Santiago de Cervantes. Saavedra sagte: „Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge, denn pilgern heißt wandeln, ich wandele auf dem Weg. Es ist kein Lustwandeln in einem gut angelegten Park, sondern ein andächtiges Gehen. Dabei wandle ich mich selbst, komme zur Ruhe, finde die bewusste Wahrnehmung der Natur, des Gegenübers und einem selbst.“

In unserer schnelllebigen Zeit voller Hektik gibt es das sonst nirgends, „Pilgern ist Beten mit den Füßen“. Schiller sagte: „Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.“ Die Seele des Menschen erholt sich, Gott gibt sich zu erkennen. Ob er verspürt wird, entscheidet jeder für sich selbst. Das Pilgern gab es schon von alters her bis zur Reformationszeit. Auch auf diesem Weg hier durch unsere Heimat. So war am unteren Stadttor von Eckartsberga eine Pilgerherberge, ein Hospital für kranke und verletzte Pilger sowie die Marienkapelle, wo die Pilger ungestört ihre Andacht halten konnten. Bei Gefahr führte ein kleiner Pfad den Berg hinauf zur schützenden Eckartsburg.

Es gab damals auch schon verschiedene Gründe, bis nach Santiago de Compostela zu gehen, ein unerfüllter Kinderwunsch, verschmähte Liebe, die Heilung für eine schwere Krankheit bei Familienangehörigen oder der Verlust eines lieben Menschen. Aber auch die Richter gaben als Strafe auf, den Pilgerweg zu gehen, Buße zu tun. Damals starben viele Pilger an Schwäche oder durch Überfälle. So wurden Unterkünfte zum Schutze der Pilger am Weg gebaut. Bei Regen führte der Weg oft durch Morast, leicht war er nie.

„Was nützt es, zu den Heiligtümern zu pilgern, wenn das Herz nicht mit geht?“ von Heinrich Federer. So ist es auch im Leben. Wir sind ganz einfach alle Pilger. Jeder geht seinen Weg, ob er über saftige grüne Auen führt oder über Steine und durch Dornen geht. Wer weiß es vorher? Auch wenn heute vieles voraus berechenbar erscheint. Oft werden von anderen sogenannte Stolpersteine in den Lebensweg gelegt. Dazu meinte Johann Wolfgang von Goethe: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man schönes bauen.“ An Schönem auf dem Weg erfreuen – das Lästige schnell vergessen, denn wer immer ein frohes Lied auf den Lippen hat kann kein dummes Zeug reden, eine alte Lebensweisheit.

Wer auf Gott vertraut und an ihn glaubt, der hat den besten Pilgerstab in seiner Hand. Er wird nicht straucheln oder stolpern, der Herr lässt ihn nicht fallen, er hält ihn fest bei seiner Hand. „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinem Fuß nicht an einen Stein stößest.“ Psalm 91.11-12

Dieses Lied (EG 395) ist so wichtig auf jedem einzelnen Weg : 1. Vertraut den neuen Wegen, / auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, / weil Leben wandern heißt. / Seit leuchtend Gottes Bogen / am hohen Himmel stand, / sind Menschen ausgezogen / in das gelobte Land. / 2. Vertraut den neuen Wegen / und wandert in die Zeit! / Gott will, daß ihr ein Segen / für seine Erde seid. / Der uns in frühen Zeiten / das Leben eingehaucht, / der wird uns dahin leiten, / wo er uns will und braucht. / 3. Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.“

Wie jeder sich entscheiden mag. „Wir sind alle Pilger, die auf verschiedenen Wegen auf einen gemeinsamen Treffpunkt zuwandern.“ von Antoine de Saint-Exupéry.

Rolf Röder, Lißdorf

Pilgerreise
Pilgerfahrt im Jahr 2003
belebt sich wieder neu.
Auf der „via regia“, der alten,
wandeln junge und ältere Gestalten,
in Gruppen oder auch allein,
bei Regen und bei Sonnenschein.
Beim Pilgern so dahin
bekommt jeder einen freien Sinn.
Es öffnet sich das Herz –
vergißt den Weltenschmerz
und all die tägliche Not –
schaut fröhlich auf zu Gott!
Jeder staunt immer wieder nur
über die Wunder der Natur –
das Auge sieht sich daran satt –
die unser Herr geschaffen hat.
Weise er uns Menschen an,
wie man diese Welt erhalten kann.

Lasse der Herr sein Wort wieder hören,

dass wir nicht alles zerstören.
Sondern auf all unsern Wegen
bitten um seinen Segen.
Bei diesem besinnlichen Wandern,
von einem Ort zum andern,
tankt unsere Seele soviel Kraft,

damit sie all die Hürden des Lebens schafft.

Sind es auch oft viel zu viel –
Irgendwann ist jeder am Ziel!

Rolf Röder, Lißdorf

 

„Pilgerschritte auf der Via Regia"



Peter Spielmann schrieb in diesem Buch seine Eindrücke nieder, die er auf den Weg von Görlitz nach Leipzig im Jahr 2008 sowie im Jahr 2009 von Leipzig nach Eisenach empfunden hat. Peter Spielmann war schon von der tschechischen Grenze bis nach Santiago auf dem Jakobsweg zu Fuß gegangen. Später dann den Weg nach Rom auf der Via Francigenia. Er schreibt: "Nicht »mal weg sein«, ist Sinn des Pilgerns, sondern auf dem Weg ganz da zu sein. Dann beginnt er zu sprechen.“ Gewiss gibt es viele schöne Begegnungen und Herbergen an der Via Regia, der Königstraße. Peter Spielmann schrieb darüber, so auch über Lißdorf und Eckartsberga.

 

Einladung zu einer Tasse Kaffee in Lißdorf.


Im kleinsten Raum 


in dem Mahl bereitet wird


und der Herd noch


die Mitte einnimmt



 

eine dampfende Tasse Kaffee


und ich bin hier willkommen



 

die blau-weißen Kacheln 


mit ihren bunt gefleckten Abziehbildern


den Schatten aus einer vergangenen Welt

 

hören von der Mühe der Schritte


über endlos hartem Weg


von Geschichten


::Lißd Kirche.jpgdie das Leben hier schrieb


von Vergangenheiten


die man nie vergisst



 

hinterm Fenster


winkt von draußen der spitze Kirchturm


und Sissy der Hund


beschnuppert unseren Rucksack


weil er dort Geheimnisse erahnt

die wir auf Schritt und Tritt bewegen.



 

In Eckartsberga - Melodien am Weg


zum Sonnenuntergang


die schlagende Nachtigall


für die Nacht


den Ruf des Kuckucks


am Morgen


die zwitschernde Schwalbe


für die Frühe

das Geschilpe der Spatzen


am Mittag


den Jubel der Lerche


am Spätmittag


den schrillen Warnruf des Falken


auf Jagd überm Rabennest


am Nachmittag

das stille Gaukeln der Schmetterlinge

am Abend


das Pulsieren der Windräder


zwischen all dieser Zeit


mitten drin


unser nachdenklicher Pilgerschritt


im Hören auf den
Weg

 

Der Verkaufserlös des Lyrikbändchens "Pilgerschritte auf der Via Regia" und der Holzschnitte von Frank Eißner ist für den Aufbau der neuen Propsteikirche in Leipzig und für die Pilgerherberge von Kleinliebenau bestimmt.



Auszüge aus Peter Spielmanns Broschüre "Schritte auf der Via Regia"

zusammengestellt von Rolf Röder, Lißdorf

 

Gemeindebrief  ist hier.