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Gernstedt

Die Kirchengemeinde Gernstedt hat zur Zeit etwa 70 Gemeindeglieder. Die jetzige Kirche  wurde 1896 erbaut.

Die alte Kirche in Gernstedt

Als dem Erzstifte in Mainz von gewissen Gütern der Zehnt zustand, vermutet man, dass Mainz den Ort mit einer Kapelle versehen hat. Diese Zehntberechnung schenkt der Erzbischof Siegfried dem Stift Bad Sulza im Jahre 1063. 1183 wird ein Pfarrer urkundlich erwähnt.

In der Zeit von 1183 bis 1190 erwarb das Kloster Pforte viele Besitzungen in Gernstedt. Das Kloster Goseck schenkte all seinen Besitz Pforte; ein in Gernstedt ansässiges Mitglied des niederen Adels, Heinrich von Gernstedt, gab dem Kloster Pforte zwei Hufen Land, um auf dem Friedhof des Klosters begraben zu werden. Von den Voigten in Saaleck kaufte Pforte fünf Hufen Land. So hatte Pforte sein Ziel erreicht – 28 Hufen waren in der Hand der Mönche. Die Grangia – das Klostervorwerk – ersteht und das Dorf geht ein. Schon 1205 ist es urkundlich bezeugt.

Mit dem Dorfe verschwindet auch die Kirche, in der sich die Dorfbewohner manches Jahrzehnt versammelt hatten. Der Titelheilige ist unbekannt, aber die alte Kirche urkundlich erwähnt.

Im Klostervorwerk stand das sogenannte „hohe Haus“; unter anderem wohnte darin auch der Priester, der auf dem Klosterhofe den Gottesdienst zu verrichten hatte. An der Stelle der unlängst abgerissenen Kirche erhob sich die Kapelle. Durch den Receß 1564 (Auflösung des Klosters) war den Neuansiedlern auch die Kapelle der Grangia zugefallen, damit sie diese zu einer Kirche „anrichten“. Mit dem Pfarrecht wurden sie nach Rehehausen gewiesen. Der Rehehäuser Pfarrer kam nur alle vier Wochen nach Gernstedt. Erst ab 1575 erhöhten die Gernstedter ihre Hufenabgaben, und der Pfarrer predigte alle 14 Tage. Später gehörten sie nach Lißdorf, bis dahin war die Pfarre in Lißdorf nur für den eigenen Ort zuständig. 1575 bestand das gesamte Inventar aus einem zinnernen Kelch mit Patene, einem grünen Meßgewand, einem Altartuch, einem Chorrock, einer Agende und zwei Glöcklein.

Die Kirche stand inmitten strohgedeckter Häuser. Sie stieß mit der Westseite an ein Bauernhaus, das in der Südseite zwei Reihen spitzbogige Fenster hatte. Dieses Haus stammte aus der Klosterzeit und wurde ehemals vom Provisor oder Vorsteher des Klosters bewohnt.

Die Kapelle, die Pforte übergeben hatte, waren nur die nackten Wände, sie erforderte viele Reparaturen. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts war das Gebäude so baufällig, dass ein Neubau erwogen wurde. Schon damals dachte man an eine Verlegung der Kirche wegen der Feuergefahr, da sie mitten in hölzernen, strohgedeckten Höfen lag. Der Neubau sollte 1000 Taler kosten, die Landesschule Pforte sollte 400 Taler dazu geben. Zur Kirche gehörten drei Acker Lehen und 293 Altschock Kapital.

Das Jahrhundert ging zu Ende, ohne dass die Kirche neu gebaut war. 1743 baute man aber die alte Kirche neu und vergrößerte sie. Der Richter, Karl Gottlieb Schröter, gab ein Stück von seinem Haus dazu. Die Baukosten betrugen 670 Taler, der Turm wurde nicht mit neu gebaut.

1789 war wieder eine größere Reparatur, 1792 wurde der Turm neu erbaut. Die neue Kirche war ein stilloser Bau des 18. Jahrhunderts. Die Kirchstühle waren einfach. Links der Kirchentür hatte der Richter, Karl Gottlieb Schröter, einen Gitterstuhl, den sein Vater erbaut hatte. Der Kirchentür gegenüber hatten der Gasthof und die Schäferei je zwei Stühle. Neben dem Beichtstuhl hatte der Gastwirt einen Gitterstuhl, der ab 1807 dem jeweiligen Pfarrer gehörte.

Nach der Schlacht 1806 war die Kirche arg beschädigt. Sämtliche Weiberstühle, der Beichtstuhl, alle Gitterstühle, selbst das hölzerne Fußgestell des Altars wurden herausgerissen und im Biwakfeuer der Franzosen verbrannt. Der Kostbare Kelch im Wert von 80 Talern und die Altarbekleidung wurden entwendet, auch die Altarlichte nahm der Feind mit. Sechs Wochen lang war kein Gottesdienst.

Diese Kirche soll mit auf dem Grundstück Nr. 32 gestanden haben. Als der Pferdestall gebaut wurde, stieß man auf alte Fundamente der Kirche. Das Glockenhaus war in der Nähe des Teiches und ist noch auf einem alten Foto zu sehen. Seit 1878 hat der Pfarrer von Lißdorf die cura animarum über Gernstedt.

Die neue Kirche von Gernstedt ist eine der schönsten und modernsten in unserem Pfarrbereich. Auf dem Acker, der zu Pforte gehört, ist sie erbaut, auf Gemeindegrund wollte man die neue Kirche nicht haben. Der Pfortaer Baumeister ließ die Kirche im neugotischen Stil errichten. Der erste Spatenstich war am 17. April 1895. Am 10.06.1895 wurde der Grundstein gelegt. Die Steine zum Bau wurden im Lanitztal in einem Steinbruch gebrochen und mit den Pferdefuhrwerken zur Baustelle gefahren. Die Weihe erfolgte am 10. Juni 1896 durch Generalsuperintendent D. Vieregge.

Die Baukosten betrugen 31.200,-RM, die Landesschule Pforta hat davon ca. 13.200 RM bezahlt. Die drei Glocken stammen aus dem Jahr 1844 und wurden von Heinrich und Carl Friedrich Ulrich in Apolda gegossen. Ältere Ausstattungsgegenstände sind nicht aufbewahrt worden. Die Orgel wurde wohl von einem Sohn des berühmten Orgelbaumeisters Ladegast gebaut.

Am 10.06.1896, gleich im Anschluß an die Weihe wurde das erste Kind, Martha Hilde Meinhard, eine Tochter der Eheleute Theodor Meinhard und seiner Ehefrau Bertha Pauline, geb. Niederhausen, beide wohnhaft in Gernstedt, in der neuen Kirche getauft.

Rolf Röder, Lißdorf

Zur Orgel in Gernstedt

Während des 1. Weltkrieges büßte auch die Gernstedter Kirche - wie so viele Kirchen im Lande in dieser Zeit - ihre zinnernen Prospektpfeifen der Orgel ein. In der dazu ergangenen Anweisung heißt es:

"Der Königliche Landrat Nbg, den 20.8.1917 … zur Eigentumsübertragung der Prospektpfeifen aus Zinn von Orgeln auf den Reichsmilitarfiskus ersuche ich ergebenst, dieselben am Donnerstag, den 30. August 1917 vormittags 9-1 Uhr und nachmittags 3-6 Uhr in die hiesige Sammelstelle auf dem Domplatz geflissentlich pünktlich abliefern zu lassen."

Für die Orgel der Kirche zu Gernstedt betraf dies 31 Prospektpfeifen, die für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden. Laut einem Kostenvoranschlag der Firma F. Walcker und Co Orgelbauanstalt Ludwigsburg (Württemberg) vom 2. Juli 1930 sollten diese 31 Prospektpfeifen aus starkem Zink gefertigt, mit Aluminiumbronze überzogen, samt Einbau an Ort und Stelle und samt Fracht bis Bahnstation 273,- RM kosten. Dazu kamen nochmals 270,- RM für die gründliche Reinigung, Nachintonation und Stimmung der Orgel.

Rolf Röder, Lißdorf

 

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