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Spielberg-Zäckwar-Benndorf
Das Kirchspiel Spielberg besteht aus drei Dörfern und hat ungefähr 150 Gemeindeglieder. Jedes der Dörfer hat eine Kirche - die älteste Kirche ist die Spielberger St. Martinskirche. Unsere Partnergemeinde ist Fürstenhagen in Hessen.

Aus der Geschichte der Kirche zu Spielberg

Spielberg ist ein von den Franken gegründeter Ort und dürfte , da es einem Burgwartbezirk den Namen gegeben hat, zu den ältesten Kolonistendörfem der Finneregion gehören. Man wird deshalb seine Gründung noch in das 6. Jhd. verlegen können. An die Franken erinnert die Form des Dorfes, welches um den Teich herum gebaut wurde – ein Ring- oder Platzdorf. Im Güter- und Zehntverzeichnis des Kloster Hersfeld wurde der Ort Spielberg erstmals im Jahre 840 erwähnt. Die Frankenkönige ließen wohl im 7.-8. Jhd. die erste, einfache kleine Kapelle aus Holz und Lehm für die Burgbesatzung auf dem "Horchhaus" und die Siedlung am Kocherbach erbauen. Um das Jahr 1000 folgte dieser Kapelle vermutlich der erste steinerne Kirchenbau außerhalb des Dorfringes. Spielberg hat eine der ältesten Volks- und Taufkirchen der Umgebung. Sie ist dem Heiligen Martin geweiht, dem Nationalheiligen der Franken. 1130 geht Spielberg durch Kauf an den Landgrafen von Thüringen und später als Schenkung an die Grafen und Schenken von Vargula über. 1383 geht der Ort durch Kauf in den Besitz des Klosters Pforta über für 600 Schock Meißenscher Groschen.

1520-21 war das Kirchlein des Dorfes wandelbar geworden; nur noch der steinerne Turm trotzte dem Wettersturm. An einem linden Augustabend des Jahres 1521 saß der Spielberger Pfarrer Johannes Wohlsadt in seinem Blumengarten und sah mit leuchtenden Augen nach oben, voller Freude über das, was nun geschafft war. Baujahre sind Sorgenjahre! Erst recht für den, der schon 31 Jahre die Bürde seines Amtes trug - am Ende seiner Dienstzeit 1540 sollten es 50 Jahre sein.

Das Kirchengebäude war erneuert worden und das Kirchenschiff erweitert. Zwei Glocken, gegossen in der Gießerei Heinrich Ciegelers, die heute noch erhalten sind, stammen aus diesen Jahren. Die dritte kleinere Glocke (vermutlich aus dem alten Geläut) wurde mehrmals umgegossen und später wohl eingeschmolzen.

1729 folgt eine weitere Renovierung des Kirchengebäudes. Dabei wurden die großen Fenster und der Eingang im Westgiebel geschaffen. Die alte Rundapsis am Ende des Chores wurde durch eine Sakristei ersetzt. Ein neuer Altar aus Sandstein wurde geschaffen, erbaut von einem Spielberger Steinhauer (J.M. Appelstiel). 1731 erhielt die Kirche ihre erste Orgel und am 30. September 1731 erfolgte die Einweihung der renovierten Kirche. Eine Turmuhr wird 1734 schon erwähnt, die den Dorfbewohnern die Zeit hörbar machte.

1757, nach dem die Preußen am 5. November die Franzosen in der Schlacht bei Roßbach besiegten, hielt sich der Preußische König Friedrich II. ( der Große, auch "Alter Fritz" genannt) vom 6.November an 3 Tage lang in Spielberg auf und nahm sein Quartier im Pfarrhaus. Als der damalige Pfarrer Schneider ihm beim Eintritt in die Stube zum erlangten Siege gratulierte, antwortete der König : „ Sein Gebeth hat vielleicht auch darzu geholfen". 1806 schlug eine große Kanonenkugel in das Gebälk der Kirche ein (noch sichtbar).

1829 wurde auch ein neues Pfarrhaus gebaut, welches noch heute erhalten ist.

Ursprünglich befanden sich wie in den meisten Kirchen die Bänke rechts und links von einem Mittelgang. 1930-35 wurden die jetzigen Bänke in der Mitte des Kirchengebäudes mit 2 Seitengängen von Karl Töpel aus Spielberg angefertigt. Gleichzeitig wurde eine elektrische Heizanlage eingebaut. Ab 1970 begann ein zunehmender Verfall des Kirchengebäudes 1981 wurde die Orgel durch Kinderhand zerstört.

„Kirchen zählen zu den denkmalgeschützten Gebäuden, die zu erhalten sind. Sie zu zerstören oder weiter verfallen zu lassen, beraubt die Menschen ihrer Vergangenheit und die Dörfer ihrer Herzen“ - Pastor Huppenbauer

Nun endlich, 1993 – 1995, erfolgte die Renovierung und Neueindeckung des Kirchturms und die Reparatur der kleineren Glocke in Nördlingen.

1996 wurde dann auch mit Bauarbeiten im Inneren begonnen. Alle Renovierungs-maßnahmen konnten in Eigeninitiative erbracht werden und wurden 1998 beendet.

Wenn auch noch nicht alles geschafft wurde, so sind wir doch gewiß, dass es uns gelingen wird, auch die vorerst letzten Vorhaben zu vollenden. Wir beten zum Herrn, uns dafür die nötige Kraft zu geben.

Klaus Wiegand, Spielberg

Die Geschichte der Kirche zu Zäckwar

Jede Kirche in unseren Dörfern, aus Natur und Kalkstein erbaut, hat ihr eigenes Gepräge. Ihr Standort gibt dem Dorfe ein typisches Aussehen. Alle Kirchen sind Zeugen der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart. Unter Opfern haben die Kirchengemeinden durch Jahrhunderte hindurch ihre Kirchen erhalten. Hierbei leisteten ihre Pfarrer unter schwierigen Umständen eine aktive Hilfe. Was die Einwohner des Dorfes erlebt und erlitten haben, die Kirche hat es miterlebt. Was sagt uns der 27 m hohe Kirchturm heute?

„Wie ein Wächter bin ich hingestellt, hoch über eine kleine Welt. Mein Reich, ich überschau es bald; das Dorf, die Felder, den dunklen Wald, das stille Gärtlein der Toten! Ich seh den Pflug am Acker geh’n, den Alten still am Kornfeld steh’n. Der Greis lauscht meiner Glocke Klang, ihm dünken die Jahre nicht mehr lang, auf ihn wartet das Gärtlein der Toten!“  von Walter Langholz

Der Garten der Toten (Friedhof) wurde 1731 an den Dorfrand verlegt. Die Kirchengeschichte von Zäckwar lässt sich noch zurückverfolgen bis zum Jahr 1000. Als Reichs- und Königsgut kam der Ort 840 im Hersfelder Zehntverzeichnis Teil 1 unter der Nr. 180 im Besitz des Klosters vor.

Im Jahr 976 schenkte Kaiser Otto II Dorf zebecuri und Flur als Allodes (Eigentum) an den Bischof Hugo von Zeitz. Das Bistum Zeitz wurde 1028 nach Naumburg verlegt. Im Besitz des Domstiftes Naumburg wird Zäckwar urkundlich bestätigt. Wann das Dorf seine erste Kirche bekommen hat, ist nicht nachzuweisen. Dass es 976 noch keine Kapelle besaß, ist aus dem Umstande zu folgern, dass in der betreffenden Urkunde keine Kirche namhaft gemacht wurde. Es ist auch kein Schutzheiliger bekannt. Angenommen wird, dass es sich um eine Bonifatius-Kirche handelt.

Wenn die Granzkörpertaufe (Taufstein) nach Bergner „ein roher, runder Trog auf dickem Schaft von der ersten Kapelle oder Kirche stammt, muss Zäckwar schon zur Zeit des romanischen Stils (1050 bis 1150 – Übergangszeit bis 1250) eine Kapelle gehabt haben. Wir müssen dann annehmen, dass diese zu Zeiten der Oberhoheit des Naumburger Domstiftes erbaut wurde. Von wo aus die erste Kapelle bedient wurde, ist unklar. Um die Jahrtausendwende war also vermutlich schon eine Urkirche da. Die Reste dieser Zeit befinden sich im gotischen Turmunterbau. Bei der Nische in der nördlichen Turmwand unterhalb des Fensters handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Sakramentsnische des Vorgängerbaues, welche beim Wiederaufbau der Kirche als Spolie (Betnische) Verwendung fand. Diese Betnische konnte von den Gläubigen besucht werden, wenn die Kirche nicht zugänglich war.

Es gab also schon 2 Vorgängerkirchen. Schon etwa im 13. Jahrhundert war ein Kirchenaufbau aus einer Ruine (Brandruine) erfolgt. Es sind Brandspuren aus dieser Zeit ersichtlich (gelb gefärbte Steine). Ein Stein in der Nord-Ostwand gibt uns eine weitere Erklärung: „Im Jahre 1499 ist dieser Bau, 2 Tage nach Bonifatius (am 9. Juni) angefangen.“ Die Kirchenruine wurde also wieder aufgebaut und geweiht von Pleban oder Pater Hamsacy. Bei einer Feuersbrunst verbrannten 1642 alle Kirchenbücher. Aus dem Bericht des pfortaischen Schulverwalters A. Otto erfahren wir: „vom 17. Januar 1655, daß die Zäckwarer Kirche ganz baufällig und dachlos sei.“

Aufzeichnungen aus Kirchenrechnungen geben 1665 einen weiteren Hinweis: „Was dieses Jahr auf die Kirche gewendet, um den Türen samt Glockenstühlen wieder bauen zu lassen, davon hat der Zimmermann 48 Talere begehret, also daß er solchen mit Bretern beschlagen und biß auff die Teckung des Schiefers vorfertigen findet. Hierauf wurden ihm aber nur gezahlt 32 Taler, 13 Gulden.“ Es wurde ein Zeltdach aufgesetzt.

Die nächste Schreckensnachricht kommt von dem Jahre 1769: „Diese Kirche ist durch einen Wetterschlag (Blitzschlag) ruiniert worden. Der Turm ist noch 8 Ellen hoch. Die Kirchenmauer 6 Ellen hoch“. Beim genauen Hinsehen ist die Höhe der damaligen Ruine noch zu erkennen. Die Grundmauern waren gut. Für den Wiederaufbau erfolgte nun ein Kostenvoranschlag von 1428 Gulden, 4 Thaler und 6 Groschen.

Aus einem Gemeindekirchenratsprotokoll erfahren wir, dass Pfarrer M. Clanner den Wiederaufbau leiten soll. Es waren damals Missernten und schwere Zeiten. Ein trauriger Bericht wurde gegeben: „Wir haben völlige Last, Mühe und Arbeit, Sorge, Angst und Bekümmertheit, weiter nichts als bey Wasser und Brote übrig, als das arme Leben. Unsere Grundstücke sind fast alle verhypotheciert. Die meisten können die schwere Hand-Frohnen wegen Alter und Schwachheit nicht verrichten. Das Langholtz muß von Heringen oder Kösen aus geholt werden. Weile wir das Langholz von der Saale mit unseren 10 schlechten Pferdten und Karn (denn Wagen gibt es bei uns nicht) auszufahren nicht im Stande sind. Unsere Korn Böden sind leer, Steuerschulden sind nicht tilgbar. Walte Gott! Wir könnten das Anverlangte, ohne gänzlich ruiniert zu werden, nicht aufbringen, es sollte von Herzen gerne geschehen. Wir müssten sonst unsere elendsten Strohhütten verlassen und den Bettelstab ergreifen.“ (gekürzt)

Juli 1770 Michael Appelstiehl, Richter;  Gottfried Appelstiehl, Schöppe;               Hans Michael Meißner, Abgeordneter

Trotz dieser Schwierigkeiten wurde am 22. April 1772 der Wiederaufbau begonnen. Die Kosten dieses Baues belaufen sich auf 1600 Thaler. Die Kirche wurde wieder instand gesetzt, ohne dass jemand dabei Schaden noch Unglück genommen hat. Der Amtmann zu Pforta war Kirchenpatronus Caspar Gutbier. Die Weihe der Kirche fand am 7. November 1773 statt.

Unsere Kirche wurde mit einem wunderschönen Turm versehen. Es wurde geschrieben: „… dieses schöne Gotteshaus mit seinem prächtigen Turm, welcher sogar als Zierde aller umliegenden Türme dasteht.“ Der Ostturm ist quadratisch mit achteckigem Obergeschoß und Schweifhaube. Das Gebälk der Glockenstube des Turmes ist für zwei Glocken eingerichtet worden.

1917 mussten die Glocken dem Krieg geopfert werden, ebenso die Orgelpfeifen. Alle Nachforschungen über den Verbleib der Glocken blieben ergebnislos. Im Glockenlager von Leipzig waren sie nicht mehr vorhanden.

Das langersehnte Geläut einer neuen Glocke konnte erst 1921 erfüllt werden. In einer Anzeige im Pfarrblatt bot die Gemeinde Eisbergen, Kreis Minden eine Glocke mit 295 Pfd. an. Diese Glocke wurde für 4000 Mark gekauft und ertönt noch heute den Einwohnern bei Freud und Leid und zum Lobe Gottes. Die Glockeninschrift lautet: „Gott zu Ehren und der Kirche zur Zierde. / Bin ich von einem Fall zerbrochen / wieder hergestellt und umgegossen. / In Brückenburg gegossen 1766“

Inneneinrichtung

Das Mauerwerk wurde in den Steinbrüchen nördlich des Dorfes gebrochen. Es sind Kalksteine verschiedener Größen und Formen, selten grob behauen.

Die großen Fenster wurden 1772 eingebaut, ebenso stammt die Inneneinrichtung aus dieser Zeit. Der Triumphbogen ist flachbogig umgebildet und hat im Scheitel die Jahreszahl 17 (SDG) 73. Die Decke ist sparsam stuckiert. Barockisierung 1772/73. Diese Decke wurde renoviert 1984 – 86 von Herrn Ewald Günther aus Hohndorf und Herrn Wolfgang Herrmann, Zäckwar.

Der Kanzelaltar wird von zwei korinthischen Säulen getragen. Ganz oben ist Christus als Salvator im Wolkennimbus und zwei Engel mit Marterwerkzeugen. Eine doppelgeschossige Hufeisenempore mit Orgel schmückt die Kirche. Leider sind die Patronatslogen seit 1988 nicht mehr vorhanden. In der Benndorfer Kirche sind sie noch erhalten geblieben.

Im Jahre 1785 bemühte sich der Kirchenvorstand um eine Orgel. Am 7. August wurde ein Vertrag mit dem Orgelbaumeister Dinger aus Großbrembach, der auch die Herrengosserstedter Orgel gebaut hat,  abgeschlossen. Im März 1788 konnte der Orgelbau abgeschlossen werden. Der Gottesdienst wurde von dem damaligen Pfarrer Breitfeld gehalten.  Orgelbaumeister Dinger baute diese Orgel für 108 Gulden. Im Jahre 1991/92 wurde die Orgel repariert durch die Orgelwerkstatt Norbert Sperschneider Weimar.

Frau Pastorin i. R., Ilse Hermann, berichtete am 10.04.1992: „Von Dezember 1967 bis März 1989 war ich im Gemeindebereich Spielberg als Pastorin tätig. In dieser Zeit begannen Renovierungsarbeiten an der Zäckwarer Kirche. Zuerst wurden die Kirchenfenster, das Dach und der Fußboden repariert bzw. erneuert. Dann begannen wir mit der Innenrenovierung (Kirchenschiff, Altarraum und Altar). Alle Arbeiten wurden oft unter schwierigen Bedingungen in Eigenleistung erbracht, zu nennen sind da besonders: Ewald Günther aus Hohndorf und Wolfgang und Christoph Hermann aus Zäckwar. Kirchenälteste und andere Gemeindemitglieder halfen ebenfalls mit. Die Partnergemeinde Fürstenhagen spendete einen Großteil der Farben. Großzügige Spenden von Gemeindegliedern halfen ebenfalls mit. Wir freuen uns, dass wir damit zur Erhaltung unseres Gotteshauses beitragen konnten.“

1992 erhielt der Turm zum Teil ein neues Dachbalkengerüst und eine neue Schieferbedeckung, eine neue Turmkugel und Wetterfahne. Das Kirchenschiff wurde neu gedeckt und erhielt eine Regenrinne mit Ablauf zum Bach. Das ganze Gebäude wurde rings herum 1 m isoliert und verputzt. Die Kirche erhielt einen elektrischen Anschluss.

Worte von Pfarrer Ulrich Huppenbauer: „Heute, am 10. April 1992 gedenken wir mit Hochachtung derer, die keine Mühe, keine Opfer gescheut haben, die schöne Kirche in Zäckwar zu erbauen und zu erhalten. Diese Kirche ist ihr Vermächtnis und Ermahnung an uns, die Christen und Nichtchristen im Jahr 1992. Als christliche Gemeinde sind wir eine kleine Minderheit geworden und wir leben inmitten einer Welt, die zu zerbrechen droht oder gar schon am zerbrechen ist. Bei allen Sorgen und Problemen und auch angesichts dessen, dass wir eine kleine Schar geworden sind, wollen wir uns nicht von der um sich greifenden Hoffnungs- und Mutlosigkeit anstecken lassen, sondern weiterhin versuchen, Zeichen der Hoffnung zu setzen.“

Herausgeschrieben aus der Kirchenchronik des Ortes Zäckwar. Erarbeitet in einer ABM-Maßnahme vom 01.03.1999 – 29.02.2000 von Doris Brandt, Zäckwar und Renate Altenburg, Spielberg - Zusammengestellt von Doris Brandt

:IMG_0435.JPGDie Kirche in Benndorf –

Ein Schatz, den es zu bewahren gilt

Dieser großen Herausforderung stellten sich viele Benndorfer vor nunmehr über 20 Jahren, nachdem sie wiederum beinahe 20 Jahre lang dem rasant fortschreitenden Verfall ihrer Kirche tatenlos zusehen mussten. Ein Gotteshaus, das gerade einmal 200 Jahre alt war, aber an einem Ort steht, wo vorher schon mindestens 900 Jahre ein Vorgängerbau stand. Der Turm ist noch aus romanischer Zeit erhalten. Im Unterschied zu vielen Kirchen in der Region, hat die Benndorfer Kirche keinen Umbau erfahren. Nur die Grundmauern und Spuren im Mauerwerk weisen auf wiederverwendete Bauteile hin. Sie ist eine der wenigen Kirchen mit originaler, unverfälschter barocker Ausstattung. Der Kanzelaltar mit Seitentüren, zwei Hufeisenemporen, das Gestühl und die im Ursprung erhaltenen Patronatslogen sind Zeugnis dafür. 

Wie Pfarrer Huppenbauer einmal schrieb: "Was hieße es, wenn einer unserer Orte seine Kirche verlieren würde, wenn das vertraute Bild des Dorfes mit seinem weithin sichtbaren Kirchturm verschwinden würde?" Dem Herrn sei Dank, dass dieses Unvorstellbare nicht eingetreten ist, eben weil viele Benndorfer Einwohner ihre Kirche nicht aufgegeben haben. So organisierten sie in den Jahren 1985 / 86, beginnend mit einer großen Spendenaktion, die Sicherung des Kirchturms und in ehrenamtlicher Tätigkeit die Dachneueindeckung des Kirchenschiffes. Im Jahre 1996 war es dann auch möglich, durch Unterstützung der Stiftung Denkmalschutz die Sicherungsarbeiten am Dachstuhl durchzuführen. Doch dann wurde es 12 Jahre lang wieder sehr ruhig in und um die Benndorfer Kirche, bis im Jahr 2008 auf Anregung aus Benndorf der Gemeindekirchenrat alle notwendigen Schritte unternahm, um ein Zeichen zu setzen, dass es weitergehen muss mit den noch ausstehenden Arbeiten.

Eine Kirchturmuhr konnte mit Unterstützung der Verbandsgemeinde eingebaut werden. Nach der Verlegung des Stromanschlusses war nun endlich sichtbar und hörbar, dass an und in der Benndorfer Kirche die Zeit nicht stehen geblieben ist.

Nun war es soweit, die Reparaturarbeiten und die Renovierung im Inneren der Kirche konnten in Angriff genommen werden. Hier waren die Spuren des Verfalls noch im vollen Ausmaß vorhanden und beinahe entmutigend anzusehen. Aber nachdem im Jahre 2009 durch die Firma THS Birnschein nach dem Anbringen von Schilfmatten als Putzträger, Verputzen der umfangreichen schadhaften Flächen und Ausbesserung der Stuckkanten die Voraussetzung für Renovierungsarbeiten geschaffen waren, konnte noch im gleichen Jahr die Decke im Kirchenschiff und Anfang 2010 Decke und Wände im Altarraum neu gestrichen werden. Leider dauerte es 12 Jahre, bevor wir die Genehmigung zur Neufassung des Kanzelaltars und der Emporen erhielten. Ab April 2010 konnten wir mit dieser großartigen Aufgabe beginnen.

Viele Einwohner, aber auch Besucher, haben gefragt, was mich wohl bewogen hat, die Renovierung der Benndorfer Kirche mit vielen Helfern in Angriff zu nehmen. Darauf habe ich nur die eine Antwort:

"Ganz leise spricht Gott zu uns,

ganz leise sagt er, was zu tun ist."

Für mich war es die größte Anerkennung, wenn viele liebe Benndorfer, Besucher aus den Nachbardörfern und auch Pilger in die Kirche kamen und staunend ihre Freude über das Gelingen zum Ausdruck brachten. Bin ich in diesen 6 Monaten nicht auch ein wenig zum Pilger geworden? Es könnten etwa 500 km sein, die ich auf dem Pilgerweg zwischen Spielberg und Benndorf, meist mit dem Fahrrad, zurückgelegt habe. Zwar immer der gleiche Weg, aber jeweils mit einem neuen Ziel, einer neuen Aufgabe. Viele interessante Nebenarbeiten galt es noch zu erledigen. Nachdem die kleinen Fenster wieder gefunden waren, konnten sie repariert und in die Altartüren und Patronatslogen eingesetzt werden. Auch einige Sandsteinplatten im Chorraum mussten ersetzt werden. Das herabgestürzte Gewicht der Turmuhr hatte sie einst zerschlagen. Sehr aufwendig gestaltete sich das Anpassen der Kirchenbänke an das verworfene Mauerwerk. Aber danach konnte nun endlich auch das Gestühl gestrichen werden.

Die Altarbekleidung wurde von Frau Magdalena Pullner aus Zäckwar angefertigt. Zum Abschluss bekamen die Altarleuchten eine passende Farbgebung und ein neues Altarbild erhielt seinen Platz. Zum Andenken an unseren unvergessenen Georg Dix strahlt nun eines seiner Gemälde - Maria mit Christuskind - von seinem ehrenvollen Platz im Chorraum.

Viele fleißige Benndorferinnen, allen voran eine der ältesten, F rau Waltraud Dix, waren zum "Großreinemachen" gekommen. Nun konnten wir endlich, beinahe 40 Jahre waren seit dem letzten Gottesdienst in der Kirche vergangen, am 24.10.2010 zur "Benndorfer Kirmes" mit einem Festgottesdienst das altehrwürdige, im neuen Glanz strahlende Gotteshaus unserem Herrn zu Ehren wieder einweihen.

Mich erfüllt es mit einem großen Gefühl der Dankbarkeit, dass ich die Arbeiten der Innenrenovierung nunmehr in der zweiten Kirche unseres Kirchspiels anleiten und zu einem größeren Teil auch selbst ehrenamtlich durchführen dufte.

Allen Helfern ein ganz großes, herzliches Dankeschön!

Klaus Wiegand

Was unsere Hände geschaffen

war von Gott gelenkt

Kirmes in Benndorf

Im Oktober und November wird in vielen Dörfern hier in der Gegend Kirmes gefeiert. Dies ist in der Regel mit einem Kirmesgottesdienst und oft mit Feierlichkeiten im Ort verbunden. Manchmal feiert das ganze Dorf gemeinsam. Es freut mich immer wieder, Dörfer als Gemeinschaft zu erleben. Jahr für Jahr werden beim Feiern lebendige Traditionen gepflegt.
Ein besonderes Ereignis war die diesjährige Kirmes in Benndorf. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurde wieder in der Kirche Gottesdienst gefeiert. Inzwischen ist der Innenraum der Kirche wieder renoviert. Wie viel Arbeit dahinter steckt, können alle die ermessen, die das Kircheninnere vor drei bis vier Jahren gesehen haben. Jetzt hingegen ist die Kirche hell und freundlich. Lediglich die Emporenfelder harren noch der Vollendung. Darüber müssen wir aber erst Einigkeit mit der Denkmalbehörde herstellen und das nötige Geld auftreiben.
Die Einwohner von Benndorf und viele Menschen aus den umliegenden Dörfern haben am vergangenen Sonntag fröhlich Anteil am Gottesdienst genommen. Auch manche Freunde aus der Partnergemeinde Fürstenhagen haben mit uns gefeiert. Anschließend gab es ein fröhliches Kaffeetrinken bei Familie Girschick im Haus und in der ehemaligen Schmiede.
Doch auch in den nächsten Jahren bleibt noch manches zu tun. Die nicht fachgerechte Sanierung des Außenmauerwerks hat an manchen Schwachstellen Schäden verursacht, die nun behoben werden müssen.       Ihre Pfrn. Bettina Plötner-Walter

Die Kirche in Benndorf

Es wird nicht mehr genau nachgewiesen werden können, wann die erste Kapelle oder Kirche in Benndorf errichtet wurde, in welcher Zeit. Auch wer sie erbaute. Es könnten die Franken gewesen sein, als sie hier mit ihren Kolonen das fruchtbare Land besiedelten, nachdem sie die Thüringer vertrieben hatten. Auch der Titelheilige ist nicht mehr bekannt. Aber die Zeit des Kirchweihfestes, vier Wochen vor Totensonntag, weist auf eine Sankt-Simon-Kirche hin. Simon oder Martin usw. waren die Schutzheiligen der Franken, ihre Namen gaben sie oft und mit Vorliebe den Kirchen, die sie erbauten.

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes ist das Jahr 980 n. Ch. Im ersten Teil des Zehnverzeichnisses vom Kloster Hersfeld steht es unter Nr. 196, mit der Namensform „Binnichesdorf“. Der Ortsname wurde sicher mit einem Personennamen in Verbindung gebracht. Von den Franken war die Namensendung „dorf“ sehr beliebt, besonders an alten Slawengrenzen. Die Kirche stand damals außerhalb der Siedlung.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie nach Zerstörung immer wieder aufgebaut. Davon zeugen heute noch die vielen Spolien, das sind wiederverwendete Bauelemente aus den Vorgängerkirchen, so z. B. ein romanischer Fenstersturz an der Südseite des Langhauses, gleich darunter ein gotischer Fenstersturz, große Spolien im Chorturm an der Südostecke außen, gotische Spolien an der Südostseite des Langhauses, zugesetzte Fenster im Turm. Im Mauerwerk des Turmes befindet sich auf der Südseite, etwa in zwei Meter Höhe und dicht an der Eckkante, ein Stück Säule von einem ungefähren Durchmesser von 18 cm und einer Länge von 30 cm. Auf der Nordseite des Turmes, in etwa der gleichen Höhe, befindet sich gleichfalls ein Säulenstück, das aber schlanker ist. Beide Teile könnten von einstigen gotisch-romanischen Fenstern stammen.

Die Kirche von Benndorf hat viele solche Spolien zu bieten, ist deshalb eines der interessantesten Bauwerke unserer Gegend. Ja, wenn Steine reden könnten. Laut Dr. Bergner hatte der Turm einst die Maße von 5,30 m x 5,95 m, einen Turm aus romanischer Zeit, mit kleinem Rundbogenfenster im Obergeschoß. Auf sein (ursprüngliches) Ziegelzeltdach ist eine verschieferte Haube gesetzt. Das Mauerwerk hatte eine Höhe von 17 Ellen.

1927 lauten die Maße: Das Kirchenschiff hat eine Länge von 10,60 m und eine Breite von 7,90 m. Die Höhe des Schiffes beträgt bis Oberkante des Hauptsims 7,50 m, von da bis zum Dachfirst 6,60 m, insgesamt also 14,10 m. Der Turm hat eine Länge von 7,20 m und eine Breite von 6,20 m. Die Höhe beträgt 14,00 m und 10,00 m bis zur Spitze, also insgesamt 24 m. Er hat vier Geschosse. Das schiefergedeckte Kuppeldach endet in einer hohen „Laterne“ mit einem Spitzhelm. Unter Laterne versteht man jenen Teil der Turmspitze, aus deren Galeriebogen man einen weiten Blick ins Land hat.

In den Nachrichten aus dem Kirchturmkopf erfahren wir über einen Wiederaufbau der Kirche, aufgeschrieben von Bergmann, Kirchenvorsteher und Richter in Benndorf. „Ob nun zwar die Einwohner Benndorf’s durch die großen Feuerbrünste wie auch durch den siebenjährigen Preußischen Krieg, der von 1756 – 1763 dauerte, welcher besonders unsere Gegend sehr betroffen hat, größtenteils in die elendesten Umstände versetzt wurden, so wünschen sie doch nichts mehr, als das ihre Kirche, die durch die Lage der Zeit gänzlich baufällig geworden war, wieder aufbauen zu können. Man fing Anno 1771, dem 6. Mai an, zu einer Zeit, da die Hungersnot und Teuerung nicht nur das Sachsenland, sondern auch ganz Deutschland hart bedrückte. Anno 1772 zu Michael war der Bau fertig gestellt.“

1772 steht auch als Wiederaufbauzahl auf dem Triumphbogen. Aus den Ephoralakten urteilte der Sachverständige, dass die 6 Ellen hohen Mauern des Kirchenschiffes stehen bleiben konnten. Diese wurden bei dem Bau auf 11,32 Ellen erhöht. Durch die kleinen romanischen Fenster war es in der Kirche immer dunkel. So wurden auch die größeren Fenster eingebaut.

Das Kreuzgewölbe im unteren Teil des Turmes wurde herausgenommen und ein neuer Bogen eingefügt. Dies kostete 200 Taler. Weitere Ausgaben für 969 x 11/32 Mauer waren 100 Taler, 23 Groschen, 5 Pfg gezahlt. Für das Verputzen von 2087 Ellen Mauer, a’ 6 Pfg = 43 Taler, 4 Groschen. Der Schieferdecker bekam 38 Taler. Der Kupferknopf kostete 13 Taler, 21 Groschen. Der Bau kostete 1333,00 Taler. Hiervon bekam auch der Tischler für die Kanzel 63 Taler, 12 Groschen. Die Kanzel ist eine gefällige Schnitzarbeit mit eckig vorstehender Brüstung, Pilastern, gebrochenem Giebel und reizend durchbrochenen Akanthus und Bandelwangen über den seitlichen Durchgängen. Im Kirchschiff ist eine doppelgeschossige Hufeisenempore.

Die Wiedereinweihung war am 20.11.1772. Dabei wurde ein Kind getauft. Zwölf Jahre nach dem Wiederaufbau ging man an die Beschaffung einer Orgel. Der Orgelbauer Vogler in Naumburg hatte einen Voranschlag zu 200 Talern gemacht. Er baute sie auch. Ein Jahr verging, bis er sein Geld dafür bekam. Viele Gutachten ließ er anfertigen, so von Kantor Fleischmann aus Pforte, vom Organisten Gräbner aus der Wenzelskirche in Naumburg, sowie auch einem Orgelbauer aus Zeitz. Alle bestätigten ihm eine gute Arbeit. Nur der Organist Rößler aus Rastenberg hatte bei der Abnahme Kleinigkeiten zu bemängeln. Am 20. Dezember 1790 wurde die Orgel vom Pfarrer H. A. Michaelis aus Lißdorf eingeweiht.

1872 wurde eine Kirchturmuhr angeschafft.

1897 wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt: Schmiedearbeiten wurden ausgeführt vom Schmiedemeister Gustav Kesselbauer. Vom Tischler Gustav Erfurt wurde ein Windfang aufgestellt und Lehnen an den Männerbänken angebracht. 2 eiserne T-Träger, 2 hölzerne Unterzüge unter dem Glockenstuhl und die Dielung des Glockenbodens wurden von Zimmermeister G. Kelz aus Poppel ausgeführt. Frische Farbe bekamen die  Fenster, Orgel, Emporen, Frauenstühle und Lehrerstuhl, sowie Männerbänke, auch Altar und Kanzel, der Wandputz im Schiff und Altarraum. Diese Arbeiten wurden ausgeführt vom Malermeister S. Romstädt und Söhne. Der Dachdeckermeister F. Oberreich brachte das Schiefer- und Ziegeldach in Ordnung.

1929 wurde eine Blitzschutzanlage angebracht. 1986 wurde die Kirche von 2 Benndorfer Dachdeckerlehrlingen neu eingedeckt.

1988 haben die Einwohner des Ortes den Turm durch eigene Hilfe und Spenden vor dem Einsturz gerettet. In den Monaten April bis Mai wurde der Turm neu verschalt und mit Schiefer gedeckt. In die Kugel des Turmkopfes wurden Dokumente und Münzen gelegt. Diese wurde am 16. Juni 1988 mit einer neuen Wetterfahne, die die Jahreszahl 1988 trägt, auf den Turm aufgesetzt. Dies geschah unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Auch aus den umliegenden Dörfern waren die Zuschauer gekommen. Frau Pfarrerin Hermann begrüßte alle und dankte für die Hilfe bei der Erhaltung dieses Gotteshauses.

Am 6. August 1988 wurde ein Richtfest zur Erneuerung der Benndorfer Kirche gefeiert. Es sang der gemischte Chor der Kooperation Hassenhausen unter Leitung von Herrn Helmut Judersleben (bis heute besteht dieser Chor weiter als „Liederkreis am Lanitztal“).

Eine handgeschmiedete Außensicherheitstür wurde von Franz Girschick angefertigt, außerdem eine neue Treppe für den Glockenbogen.

1992 Renovierung der früheren Kirchhofmauer. Es wurde auch das Kirchenschiff mit Ziegeln neu eingedeckt. Die Kirche bekam neue Fenster.

1996 ist das Kirchenschiff akut bedroht, der Schwamm breitet sich aus, der Dachstuhl verliert seine Verankerung. Die Orgel musste abgebaut werden. Es wurde zu Spenden aufgerufen. Im Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege Halle heißt es unter anderem:

„Insgesamt bildet die Benndorfer Kirche ein Musterbeispiel eines ländlichen Gotteshauses des 18. Jahrhunderts. Die malerische Aussenerscheinung, durchaus noch durch die mittelalterliche Hülle geprägt, bildet einen unverzichtbaren Bestandteil des Dorfbildes.“ So gab es 1997 wieder Bauarbeiten an der Kirche. 10 Tonnen Verpressgut gaben der Kirche Standsicherheit, empfohlen eine Ringdrainage und vieles mehr.

Im Laufe der vergangenen Zeiten haben die Menschen von Benndorf ihre Kirche erhalten, auch wenn nur noch vier Häuser nach einer Feuerbrunst im Jahre 1632 vorhanden waren. So auch 1737, bis auf drei Gehöfte brannte alles nieder. Die Einwohnerzahl betrug nach dem Brand 1632 nur noch 44. 1812 waren es 62. 1880 waren es 147. Reichlich hundert Jahre später, 1988 waren es 97. Allen Generationen gilt höchste Ehre und Anerkennung für die Leistungen bei der Erhaltung der Kirche. Dafür ist jeder Dank zu klein. Das Engagement der Vorfahren ist gleichzeitig eine Verpflichtung für künftige Generationen, die Kirche zu erhalten.

Herausgeschrieben aus der Chronik des Ortes Benndorf, erarbeitet in einer ABM-Maßnahme vom 01.03.1999 bis 29.02.2000 von Doris Brandt, Zäckwar und Renate Altenburg, Spielberg, von Rolf Röder

 

Die Geschichte von Glocken und Pfarre zu Benndorf

Der Glockenstuhl in der Glockenstube des Turmes ist für zwei Glocken eingerichtet. Herr Naumann, Superintendent in Eckartsberga um 1900, fand in den Akten die Erwähnung einer alten Glocke, die aus romanischer Zeit stammt. Diese sah noch Lepsius und beschreibt sie folgendermaßen:

„Eine romanische Glocke, die der zu Möllern ähnlich, mit der Inschrift: „O REX GLORIE VENI CVM PACE“ = „O Herr Gelobter, komm bring Frieden“ oder „O König, gelobt seist Du, komm bring Frieden“. Der Schluss der Inschrift enthält den Gruß des Erzengels Gabriel an die Mutter Gottes „AVE MARIA“. „REX“ ist gleichbedeutend für „König“ oder „Herr“. Der in Majuskel dargestellte Teil der Inschrift zeigt uns, dass im Mittelalter und noch früher geglaubt wurde, dass sich durch das Läuten der Glocke die schweren Gewitterwolken teilten.

Wie viel mal der Blitz in die Benndorfer Kirche einschlug, wer weiß es? Vermerkt ist, dass am 4. Mai 1932 ein vorüber ziehendes Frühlingsgewitter sich gegen 14.30 Uhr über Benndorf entlud. Ein Blitzstrahl traf die Kirche. Im Turm zersplitterte der Blitz einen mächtigen Querbalken. Kleinere Holzteilchen und Stoffteilchen fingen Feuer, das aber schnell gelöscht werden konnte. Im Kirchenschiff wurden große Teile des Putzes von den Wänden geschleudert und die Fenster eingedrückt. Am 25. September 1932 wurde die Kirche nach der Wiederherstellungsreparatur neu eingeweiht. Vermerkt ist dabei, dass vor Jahren die Kirche schon durch einen Blitzschlag zerstört wurde. Wie durch ein Wunder blieb die Glocke verschont.

Naumann schreibt weiter über eine Minuskelglocke aus dem Jahr 1497 mit der Inschrift: „Ave gratia plena dominus tecum o Sankt Anna hilf selbdritt.“ „ Gegrüßt seist du, voll Gnaden, der Herr sei mit dir.“ - Luk. 1, 28 – Der englische Gruß und die Anrufung der Heiligen Anna sind auf Glocken nicht selten. 1652, die Kirche war so baufällig, dass die Glocken herunter genommen wurden, sie hingen nun an einem Balkengerüst. Durch den 30jährigen Krieg war die Kirche wie auch die Häuser stark beschädigt. Die Kirche stand ohne Dachstuhl da, mit nur noch vier Häusern. Alles andere war im Jahr 1642 abgebrannt. Als die Kirche wieder aufgebaut wurde, wurden die alten Glocken wieder auf den Turm gebracht. Das Schicksal dieser Glocken ist unbekannt.

Dr. Heinrich Bergner erwähnt in Benndorf eine Glocke von 76 cm von Gotth. Zeithain in Naumburg. Die 2. Glocke von Wettig in Erfurt 1851.

Im Inventar von 1885 lesen wir:

Eine größere Glocke 5 ½ Ctr, 840,00 M ist 1807 umgegossen. Eine kleinere Glocke 4 ½ Ctr, 450,00 M ist 1863 umgegossen. Eine Turmuhr mit Glocke 750,00 M. Ein Altarbild mit Christuskopf in Oel gemalt 36,00 M, Geschenk von Gottlob Müller zu Benndorf im Jahr 1880. Ein Kruzifix zu Leichbegräbnissen 15,00 M, ein Geschenk von Frau Elste, Benndorf im Jahr 1868. Ein silberner vergoldeter Kommunionkelch 30,00 M, ein Geschenk von Albert Schmidt zu Benndorf im Jahr 1872 (Jubiläumsausgabe). Die Orgel 1050,00 M, die Orgel im Jahr 1868 aus Kirchenmitteln repariert von Orgelbauer Heerwagen aus Klosterhaeseler. Eine Hostienschachtel von Alfenid 6,00 M aus Kirchenmitteln.

Nicht erwähnt im Inventar: Eine Zinnkanne mit der Inschrift: „1774 die Gemeinde Benndorf“ hat die Marke „J. A. G.“ und Adler. Der „Gimpel“ oder Klingelsack, er wurde bei hohen Festlichkeiten schon um 1600 herumgereicht. Er ist heute noch vorhanden. Auch eine Taufschale und Taufkanne dazu „1839 der Kirche zu Benndorf“ ohne Namen, sowie 2 Kerzenständer ohne Gravur und 2 Kerzenständer mit Gravur H. G. Weise (Schmidt).

Die Glocken wurden, wie überall, auf Grund einer Verfügung im Jahr 1917 vom Turm abgebaut und für Kriegszwecke eingeschmolzen. Glücklicherweise verfügte der Landrat, dass eine der beiden Glocken für den Gottesdienst verbleiben sollte.

1996 war der Glockenstuhl erneuert. Rolf Rödiger läutete zum ersten Mal die daran befestigte Glocke mit der Inschrift „ Der Gemeinde zu Benndorf – gegossen von Chr. Gotth. Zeitheim in Naumburg AO 1807“.

Am Pfingstsonntag, dem 24. Mai 2007, wurde mit einer musikalischen Andacht in der Kirche zu Benndorf der Glocke für treue Dienste in den vergangenen 200 Jahren gedankt. Ihre Stimme erklang immer wie Rufen zum Gottesdienst, zur Taufe, zur Konfirmation, Hochzeit und dem Ende. Der Glocke zu Ehren brannten an diesem Pfingstsonntag in der Kirche zweihundert Lichter.

Die Pfarre

Die Pfarre von Benndorf wird eine der reichsten der Umgebung gewesen sein. Wie lange es dort einen eigenen Pfarrer gab, ist schwer herauszufinden. Karl der Große übergab Dorf und Flur als Lehen an das Kloster Hersfeld. Otto der Erlauchte zieht dieses Lehen wieder ein. Es kommt an die Grafen von Orlamünde und Weimar. Diese übergeben es weiter. So hatten die Schenken von Vargula – Saaleck hier Besitz, sowie die Marschalle von Eckartsberga, Holzhausen und Trebra. In den Jahren zwischen 1302 bis 1305 verkauften diese Adligen ihren Besitz in Dorf und Flur und alle Privilegien an das Kloster Pforte, auch die Gerichtsbarkeit. Nur das Patronatsrecht über die Kirche geht erst 1383 zusammen mit dem Patronatsrecht von Spielberg an das Kloster. Seitdem gehört Benndorf zur Spielberger Pfarre. Die Patronatslogen in der Benndorfer Kirche erinnern an die Patronatsherren von Pforte, die einst darinnen saßen. Pforte hatte außerdem das Patronatsrecht über folgende Kirchen: in Flemmingen, Almrich, Gernstedt, Lißdorf, Poppel, Taugwitz, Spielberg, Zäckwar, Niedermöllern und Pommnitz. Wie bekannt ist, blieb das Patronatsrecht auch bei der Landesschule Pforte.

Herausgeschrieben aus der Chronik des Ortes Benndorf. Erarbeitet in einer ABM-Maßnahme vom 01.03.1999 bis 29.02.2000 von Doris Brandt, Zäckwar, und Renate Altenburg, Spielberg - aufgeschrieben von Rolf Röder.


 

 

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